Abstract

Vorurteile – negative Einstellungen gegenüber und Vermeidung von Personen in Fremdgruppen – sind ein grundlegender Aspekt der menschlichen Psychologie, der kulturell stark variiert. Während frühere Forschungen psychologische und neurologische Faktoren untersucht haben, die Vorurteile antreiben, haben kulturelle und ökologische Treiber weniger Aufmerksamkeit erhalten. Diese Studie untersucht die ökologischen und kulturellen Faktoren, die die globale Verteilung von Vorurteilen vorhersagen, unter Verwendung von Daten aus 97 Ländern.

Hypothesen (aus Abstract)

Wir sagten voraus, dass zwei primäre ökologische Faktoren – die Häufigkeit von Ressourcenknappheit und historische Bedrohungen durch Kriegsführung und Krankheitserreger – positiv mit Vorurteilen assoziiert wären. Wir nahmen auch an, dass die kulturelle Enge (die Stärke sozialer Normen und Bestrafung von Abweichungen) diese Beziehungen vermitteln würde.

Wichtigste Ergebnisse (aus Abstract)

Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl ökologische Bedrohungen als auch Ressourcenknappheit höhere Vorurteile in Ländern vorhersagen. Darüber hinaus vermittelt kulturelle Enge teilweise die Beziehung zwischen ökologischen Bedrohungen und Vorurteilen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Verständnisses der ökologischen und kulturellen Kontexte, in denen Vorurteile weltweit entstehen und bestehen.

Einleitung

Hintergrund von Vorurteilen

Vorurteile, definiert als negative Einstellungen und die Vermeidung von Fremdgruppen, sind ein universelles psychologisches Phänomen, dessen Prävalenz jedoch stark zwischen Gesellschaften variiert. Während individuelle Unterschiede und sozialpsychologische Faktoren gut untersucht sind, haben breitere ökologische und kulturelle Einflüsse auf Vorurteile weniger Aufmerksamkeit erhalten. Diese Forschungslücke motiviert die vorliegende Studie.

Ökologische und kulturelle Bedrohungen

Der Mensch ist an die Wahrnehmung von Bedrohungen in seiner Umwelt angepasst. Ökologische Bedrohungen, wie Ressourcenknappheit (z.B. Hungersnöte, Wassermangel) und historische Gefahren (z.B. Kriegsführung, Krankheitserreger), sollen den Zusammenhalt der Eigengruppe und Vorurteile gegenüber Fremdgruppen verstärken. Wenn Ressourcen knapp sind, nimmt der Wettbewerb zu, und Gruppen können exklusiver werden. Ähnlich können Bedrohungen durch Kriegsführung oder Krankheiten zu strengeren sozialen Normen und erhöhtem Misstrauen gegenüber Außenstehenden führen.

Kulturelle Enge (Tightness)

Kulturelle Enge bezieht sich auf die Stärke sozialer Normen und die Strenge der Bestrafung von Abweichungen innerhalb einer Gesellschaft. Gesellschaften, die häufig ökologischen Bedrohungen ausgesetzt sind, neigen dazu, engere Kulturen mit starken Normen zu entwickeln, um kollektive Maßnahmen zu koordinieren und das Überleben zu sichern. Diese Enge kann sich als verringerte Toleranz für unkonventionelles Verhalten und folglich als erhöhte Vorurteile gegenüber jenen manifestieren, die von etablierten Normen abweichen oder als Außenstehende wahrgenommen werden.

Aktuelle Studie und Hypothesen

Diese Studie untersucht die globale Verteilung von Vorurteilen in 97 Ländern und testet die Hypothesen, dass ökologische Bedrohungen (Ressourcenknappheit, historische Kriegsführung und Krankheitserregerprävalenz) positiv mit Vorurteilen assoziiert sind. Des Weiteren wird untersucht, ob kulturelle Enge diese Beziehungen vermittelt, was darauf hindeutet, dass eine engere Kultur als Reaktion auf Bedrohungen entsteht, was dann zu höheren Vorurteilen beiträgt.

Methoden

Datenquellen

Daten wurden aus mehreren Quellen gesammelt, hauptsächlich aus den Wellen 3–6 der World Values Survey (WVS), die Daten zu Einstellungen gegenüber Fremdgruppen lieferten. Daten zu ökologischen Bedrohungen (z.B. historische Prävalenz von Krankheitserregern) wurden aus anthropologischen und epidemiologischen Datenbanken bezogen. Maße für Ressourcenknappheit wurden aus Wirtschaftsindikatoren und Daten zur Ernährungsunsicherheit abgeleitet.

Maße für Vorurteile & Bedrohungen

**Vorurteile:** Gemessen anhand von WVS-Fragen, die die Befragten nach Personen fragten, die sie nicht als Nachbarn haben möchten (z.B. Menschen anderer Rasse, Einwanderer, Menschen mit AIDS). Ein zusammengesetzter Wert wurde erstellt. **Ökologische Bedrohungen:**

  • **Historische Prävalenz von Krankheitserregern:** Daten zu 9 wichtigen historischen Krankheitserregern (z.B. Lepra, Malaria) aus früheren Forschungen.
  • **Historische Kriegsführung:** Häufigkeit des Bürgerkriegs aus dem Ethnographic Atlas.
  • **Ressourcenknappheit:** Gemessen am BIP pro Kopf, Einkommensungleichheit (Gini-Koeffizient) und Ernährungsunsicherheit.

Messung der kulturellen Enge

Kulturelle Enge wurde anhand einer validierten 8-Punkte-Skala zur Enge-Lockerheit aus früheren Forschungen [48, 55] gemessen, die die Stärke sozialer Normen und die Toleranz für Abweichungen bewertet.

Statistische Analyse

Es wurden Mehrebenen-Regressionsanalysen durchgeführt, wobei verschiedene demografische und wirtschaftliche Faktoren (z.B. Bildung, Alter, Urbanisierung, politische Rechte) kontrolliert wurden. Mediationsanalysen wurden durchgeführt, um die hypothetische Rolle der kulturellen Enge zu testen. Die Modelle umfassten Variablen auf Länderebene und auf individueller Ebene.

Ergebnisse

Ökologische Faktoren und Vorurteile

Wie angenommen, waren höhere Grade der historischen Prävalenz von Krankheitserregern und Ressourcenknappheit (niedrigeres BIP pro Kopf, höhere Einkommensungleichheit, höhere Ernährungsunsicherheit) signifikant mit erhöhten Vorurteilen in den Ländern verbunden. Diese Beziehungen blieben signifikant, nachdem zahlreiche individuelle und länderspezifische Kovariaten kontrolliert wurden.

Kulturelle Enge und Vorurteile

Kulturelle Enge war ebenfalls stark und positiv mit Vorurteilen assoziiert. Länder mit engeren Kulturen zeigten signifikant höhere Vorurteile. Dieses Ergebnis stützt die Annahme, dass stärkere soziale Normen und geringere Toleranz für Abweichungen mit geringerer Akzeptanz von Fremdgruppen korrelieren.

Kulturelle Enge als Mediator

Mediationsanalysen zeigten, dass kulturelle Enge die Beziehung zwischen ökologischen Bedrohungen (insbesondere der historischen Prävalenz von Krankheitserregern und Ressourcenknappheit) und Vorurteilen teilweise vermittelte. Dies deutet darauf hin, dass ökologische Bedrohungen zu engeren Kulturen führen, was wiederum zu höheren Vorurteilen beiträgt.

Zusammenfassung der Modelle

Die kombinierten Modelle zeigen, dass beide ökologischen Faktoren Vorurteile direkt vorhersagen und ihre Effekte teilweise durch kulturelle Enge kanalisiert werden. Dies ermöglicht ein umfassendes Verständnis, wie tief verwurzelte Umweltbelastungen kulturelle Attribute formen können, die Vorurteile fördern.

Diskussion

Hauptaussagen

Diese Studie liefert robuste Beweise dafür, dass ökologische Bedrohungen (Krankheitserreger, Ressourcenknappheit) grundlegende Treiber von Vorurteilen weltweit sind und dass kulturelle Enge eine signifikante vermittelnde Rolle spielt. Sie erweitert frühere Forschungen durch die Verwendung eines großen, kulturübergreifenden Datensatzes, um diese Beziehungen jenseits individueller oder psychologischer Ebenen aufzuzeigen.

Mechanismen der Vorurteile

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Notwendigkeit kollektiven Handelns und der Koordination in bedrohlichen Umgebungen die Entwicklung starker sozialer Normen (Enge) fördert, was dann die Toleranz für Abweichungen und Außenstehende verringert und sich als Vorurteil manifestiert. Dies unterstreicht die adaptive Funktion von Vorurteilen als Reaktion auf wahrgenommene Umweltgefahren.

Beiträge der Studie

Die Forschung trägt zum Verständnis der ultimativen (ökologischen) und proximalen (kulturellen) Ursachen von Vorurteilen bei. Sie hebt die Bedeutung von Makro-Ebenen-Faktoren bei der Gestaltung intergruppaler Einstellungen hervor und bietet eine ergänzende Perspektive zu psychologischen und neurologischen Erklärungen.

Einschränkungen

Einschränkungen umfassen die korrelative Natur der kulturübergreifenden Daten, die kausale Schlussfolgerungen verhindert. Während Mediationsmodelle einen Weg aufzeigen, wären experimentelle Designs erforderlich, um die Kausalität zu bestätigen. Zusätzlich sind einige Maße auf Länderebene aggregiert, was individuelle Nuancen verdecken könnte.

Zukünftige Forschung

Zukünftige Forschung könnte diese Beziehungen longitudinal untersuchen, spezifische Subtypen von Vorurteilen untersuchen und Interventionen untersuchen, die auf kulturelle Enge oder Bedrohungswahrnehmungen abzielen, um Vorurteile zu reduzieren. Eine weitere Untersuchung spezifischer ökologischer Bedrohungen und ihrer direkten kulturellen Manifestationen wäre ebenfalls von Vorteil.

Referenzen

Die vollständige Referenzliste ist sehr lang (mehrere Seiten im PDF). Sie ist direkt auf der Original-PLOS ONE-Seite zum Artikel verfügbar: Vollständige Referenzliste auf PLOS ONE

Beispielhafte Einträge:
1. Allport GW. Die Natur der Vorurteile. Addison-Wesley; 1954.
2. Tajfel H, Turner JC. Eine integrative Theorie des Intergruppenkonflikts. Die Sozialpsychologie der Intergruppenbeziehungen. 1979; 33(47), 47.
...und viele weitere.

Danksagungen und Finanzierung

Diese Forschung wurde durch ein National Science Foundation Graduate Research Fellowship und ein Caroline H. und Thomas S. Royster Fellowship an JCJ, einen Humboldt-Preis an MJG und ein NSF Interdisciplinary Behavioral Social Science Research (IBSS) Grant Nr. SMA-1416651 (IBSS: Naturgefahren und kulturelle Transformationen) an MJG und CRE unterstützt. Diese Forschung wurde auch durch ein Stipendium der John Templeton Foundation (ID# 61168) an MJG unterstützt. Die Geldgeber hatten keine Rolle bei Studiendesign, Datenerhebung und -analyse, der Entscheidung zur Veröffentlichung oder der Erstellung des Manuskripts.

Die Autoren möchten Dr. Jeffrey Stevens, Dr. Scott Barry Kaufman und Dr. Robert McCrae für ihre hilfreichen Kommentare zu früheren Versionen dieses Manuskripts danken. Wir sind auch der World Values Survey Association dankbar, dass sie ihre Daten öffentlich zugänglich gemacht hat.

Ein Beispiel für "Filter zurücksetzen" in Schwarz